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Interreligiöser Newsletter
Ausgabe 4 / Februar 2019
EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der 4. Ausgabe unseres Interreligiösen Newsletters legen wir zum einen einen Schwerpunkt auf die Theologie. Von unterschiedlichen Stellen - seien es Landeskirchen, seien es Universitäten oder, wie im letzten Newsletter berichtet, orthodoxe Rabbiner – gehen Impulse aus, die das interreligiöse Miteinander auf eine neue theologische Basis stellen wollen. Alte Konzepte tragen oft nicht mehr.

Zum anderen gibt der Newsletter einen Einblick in gegenwärtige Fragestellungen, die für Schulen interessant sind: orthodoxer Religionsunterricht, ein neu aufkommender Antisemitismus, Möglichkeiten der Vernetzung mit muslimischen Moscheegemeinden.

Nicht zuletzt wollen wir Sie mit unserem Interreligiösen Newsletter auf Seminare und Tagungen aufmerksam machen, bei denen unterschiedliche Sichtweisen auf Theologie und Religion diskutiert werden können. Gelegenheiten dazu gibt es genügend, wie Sie den zahlreichen Veranstaltungshinweisen entnehmen können.  

Viel Freude beim Lesen!

 Andreas Herrmann    &    Anke Kaloudis 

 



INHALT


1. Zur Verhältnisbestimmung von Christentum und Islam: Die Theologie zieht nach

In den Anfängen der christlich-islamischen Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden und Moscheevereinen etwa in den 1970er und 1980er Jahren standen oft pragmatische Fragen im Vordergrund, wie etwa die Suche nach einem Gebäude, das sowohl für das gemeinsame Gebet als auch für die sozialen Bedürfnisse der Moscheemitglieder geeignet war. Nicht wenige Kirchengemeinden haben in dieser Zeit neu gegründete Moscheevereine unterstützt. Der Islam weckte Neugierde und an manchen Stellen ist es nach und nach gelungen, mit den Mitgliedern der muslimischen Gemeinden über Fragen des Glaubens ins Gespräch zu kommen. 

Durch 9/11 sind andere Themen in den Vordergrund gerückt: Das möglicherweise bereits im Islam angelegte Gewaltpotential oder auch das Kopftuch führte (und führt) zu heftigen Debatten. Im pastoralen Kontext gab es ganz andere Entwicklungen. So wurden beispielsweise Handreichungen zu intereligiösen Trauungen oder Schulanfangsgottesdiensten erarbeitet.

Damit zusammen hängt eine weitere Zäsur, die aktuell mit theologischen Positionsbestimmungen zum Islam einhergeht. So hat die Evangelische Kirche im Rheinland bereits einen entsprechenden Synodalbeschluss "Für die Begegnung mit Muslimen. Theologische Positionsbestimmung" verabschiedet. In der badischen Landeskirche ist mit der Broschüre "Christen und Muslime. Gesprächspapier zu einer theologischen Wegbeschreibung" ein ähnlicher Prozess in Gang gesetzt. Aber auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sind vergleichbare Texte im Entstehen. Die theologische Debatte scheint Fahrt aufzunehmen.             



2. Akademie für Wissenschaft und Islam

 

In Frankfurt am Main wurde eine Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) gegründet. Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftler*innen der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteur*innen aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG verfolgt drei Ziele:

- Forschung: Die AIWG möchte einen Beitrag zur Konsolidierung der islamisch-theologischen Studien im deutschen Wissenschaftssystem leisten. Dazu ermöglicht sie standortübergreifende und interdisziplinäre wissenschaftliche Zusammenarbeit.

- Austausch:Die AIWG möchte den Austausch zwischen islamisch-theologischen Studien, muslimischer Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen vertiefen. Dabei sollen Lösungen unter Einbezug verschiedener Perspektiven zu gesellschaftlichen Fragen entwickelt werden. 

- Versachlichung: Die AIWG möchte dazu beitragen, öffentliche Diskurse zum Islam zu versachlichen, indem sie Expertisen veröffentlicht und Expert*innen zu islambezogenen Themen vermittelt.

Für weitere Informationen hier klicken!

 



3. Christlich-jüdisches Symposium zur Frage der Christologie in Wien

 

In der letzten Januarwoche tagte in Wien ein Kongress von jüdischen, katholischen und evangelischen Universitätsdozenten über aktuelle Entwicklungen in der theologischen Debatte über Jesus Christus. Titel der Veranstaltung war: "Jesus, der Jude aus Galiläa und christlicher Erlöser. Christologie zwischen Judentum und Christentum". Veranstalter waren: Die Evangelische Fakultät der Universität Wien, die „School of Jewish Theology“ der Universität Potsdam und das Rabbiner-Seminar in Potsdam „Abraham-Geiger-Kolleg“.

Das jeweilige Bild von Jesus wurde beleuchtet aus biblisch-exegetischer, historischer und systematisch-theologischer Perspektive. Es kam zu höchst interessanten und intensiven Diskussionen zwischen den anwesenden Theologinnen und Theologen aus den genannten unterschiedlichen Glaubenstraditionen. Es zeigte sich, dass innerhalb der jüdischen wissenschaftlichen Arbeit eine sogenannte „Heimholung Jesu“ intensiv weiterentwickelt wird: Hier wird Jesus historisch als jüdische Person im antiken Volk Israel im Kontext der religiösen Strömungen seiner Zeit erforscht und diskutiert. Hier geht es zum ganzen Artikel von Friedhelm Pieper!

Friedhelm Pieper ist Referent für interreligiösen Dialog mit dem Schwerpunkt Judentum und Naher Osten im Zentrum Oekumene in Frankfurt.



4. Religiöse Bildung in den Ostkirchen - Orthodoxer Religionsunterricht in Deutschland

 

... so lautete der Titel einer Tagung, die im Dezember in der Akademie Hofgeismar stattfand.

Zunächst stellte Prof. Dr. Andreas Müller (Universität Kiel) am Beispiel von drei verschiedenen Ländern exemplarisch die Praxis des orthodoxen Religionsunterrichtes vor. Schon hier zeigte sich, dass die Umsetzungen sehr unterschiedlich sein können und man vor Ort versucht, auf die jeweiligen Herausforderungen zu reagieren. In Griechenland etwa, wo sich die Schülerschaft durch den großen Anstieg der Flüchtlinge verändert hat, in Rumänien und Russland, wo jeweils nach einem Abbruch des Religionsunterrichts zur Zeit des Kommunismus, wieder durchgängig orthodoxer Religionsunterricht erteilt wird, gewisse Kenntnisse der Religion bei den Schülern aber nicht mehr durchgängig vorausgesetzt werden können.

In Deutschland wird der Religionsunterricht per Grundgesetz den einzelnen Kirchen zugesagt, doch müssen für deren Einführung gewisse „bürokratische“ und andere Hürden genommen werden, was sich in der Praxis als große Herausforderung erweist und auch für Frustration sorgt. Da es sich jeweils um kleinere Schülergruppen handelt, bedeutet das Erteilen von orthodoxem Religionsunterricht auch, dass die Unterrichtenden in der Regel mehrere Schulen versorgen und sogar teilweise in unterschiedlichen Städten unterrichten.

Hier geht es zum ganzen Text von Petra Hilger!

Petra Hilger ist Oberstudienrätin an der Lahntalschule Biedenkopf.



5. Eine Moscheegemeinde stellt sich vor: Abu Bakr Moschee

Die Islamische Gemeinde Frankfurt Abu Bakr Moschee ist ein kultureller und religiöser Verein.
Ziele sind:

- die Pflege des interkulturellen und interreligiösen Dialogs

- der Einsatz zum Wohle der Gesellschaft

- die Aufklärung über die Inhalte des Islam

- Integrationsförderung durch gemeinsame Projektarbeit mit der Gemeinde.

Über die religiösen Pflichten und Bedürfnisse hinaus versteht sich der Verein zudem als Anziehungspunkt für das soziale Leben der Gläubigen. Neben religiöser Wissensvermittlung und Anlaufstelle bei Problemen sollen aber auch Feste in allen Lebenslagen gefeiert werden.
Die IGF ist unabhängig von politischen Parteien und verfolgt keine wirtschaftlichen Interessen.

Quelle: Homepage Abu Bakr Moschee; Zugriff am 1.2. 2019



6. Bildungsstätte Anne Frank

Die Bildungsstätte Anne Frank ist das Zentrum für politische Bildung und Beratung Hessen mit Standorten in Frankfurt/Main und Kassel.

Sie entwickelt innovative Konzepte und Methoden, um Jugendliche und Erwachsene gegen Antisemitismus, Rassismus und verschiedene Formen von Diskriminierung in der Migrationsgesellschaft zu sensibilisieren – und für die aktive Teilhabe an einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu stärken.

Religiöse Vielfalt im pädagogischen Raum und darüber hinaus gehört zu den thematischen Schwerpunkten in der Bildungsarbeit. Mit Fachtagen und Publikationen stärkt die Bildungsstätte Anne Frank Pädagog*innen im Umgang mit religiöser Vielfalt in Jugendgruppen. Hier geht es zum ganzen Text!

 



7. Raum der Religionen in Frankfurt

 

Im Religionspädagogischen Institut in Frankfurt gibt es seit kurzem einen Raum der Religionen. Unterschiedliche, neu ausgestattete Materiakoffer der Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus sind dort ausgestellt und können ausgeliehen werden. Interaktive Infokarten zu den Gegenständen der Weltreligionen sind zur Zeit im Aufbau. Umfangreiches Unterichtsmaterial zum Interreligiösen Lernen lädt zum Stöbern ein.

Hier geht es zum Raum der Religionen!



8. Fortbildungen und Veranstaltungen

 

Multiplikatorenfortbildung Migrationsberatung an Schulen; Fortbildungsreihe beginnend am 13.02.2018: zur Anmeldung.

 

JHWH - Gott - Allah als Thema und Horizont des Religionsunterrichts in Judentum, Christentum und Islam; Tagung  am 18.02.2019 - 19.02.2019: zur Anmeldung.

 

Antisemitismus in der Schule - Prävention und Intervention; Studientag am 20.02.2019 in Kassel: zur Anmeldung.

 

Chance(n) nutzen - Konfessionelle Kooperationen im Religionsunterricht; Studientag am 20.02.2019: zur Anmeldung.

 

Lernen im Dialog; Fortbildungsreihe in Kassel am 28.02.2019: zur Anmeldung.

 

Identität in interreligiöser Perspektive - Fachdidakt.Studientag für die Sek.I im RPI Kassel am 07.03.2019: zur Anmeldung; im RPI Frankfurt am 10.04.2019: zur Anmeldung.

 

Religiöses Mobbing - Zum konstruktiven Umgang mit religiös gefärbten Konflikten, Studientag in Frankfurt am 18.03.2018: zur Anmeldung.

 

Religion und Demokratie. Vergewisserungen über das Verhältnis vom Christentum und Islam zum säkularen Staat; Tagung in Hofgeismar am 29.03-31.03. 2019: zur Anmeldung.

 

Harmlos und fromm – Das Vaterunser, Frankfurter Religionslehrer*innen-Tagam 02.04.2019: zur Anmeldung.

 

Studientag zu Scriptural Reasoning im Zentrum Oekumene am 03.04.2019; zur Anmeldung: olbermann@zentrum-oekumene.de

 

Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald am 09.04.201: zur Anmeldung.

 

Inter-religiös? Theologische Herausforderungen, religionspädagogische Konzepte. Ein Studienabend am 16.04.2019: zur Anmeldung.

 

Den islamischen Glauben leben. Eine Exkursion zur Moscheegemeinde "Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V" am 09.05.2019: zur Anmeldung.

 

Auf Entdeckungsreise gehen: Was Bibel und Koran erzählen! Ein Studiennachmittag in der Albert-Schweitzer-Schule, Langen am 02.05.2019;  zur Anmeldung; im RPI Frankfurt: zur Anmeldung; im RPI Kassel: zur Anmeldung; im RPI Fulda: zur Anmeldung.

 

Musliminnen und Muslimen begegnen: Wo stehen wir theologisch? Wie gestalten wir das Miteinander? Studientag am 29.08.2019 in Kassel; Anmeldung unter: corinna.henn-kolter@ekkw.de 

 

Die Anmeldung erfolgt für die Veranstaltungen unter: frankfurt@rpi-ekkw-ekhn.de oder unter der Telefonnummer 069-92105 6693, sofern keine anderen Angaben in der Ausschreibung der Veranstaltungen genannt sind.



9. Material und Büchertipps

 

Gott und Göttliches. Eine interreligiöse Spurensuche. Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe 1: Innovativ und schülerorientiert ist die im letzten Jahr erschienene Broschüre, die von einem interreligiös besetzten Autorenteam aus Hamburg erarbeitet wurde. Hier können Jugendliche entdecken und auf Spurensuche nach Religion und Göttlichem in ihrer Umwelt gehen!

Was Bibel und Koran erzählen: Eine Lesebuch für Schule und Gemeinde. Das Lesebuch erscheint im Frühsommer beim Calwer-Verlag und bietet wichtige Texte aus Bibel und Koran in gut verständlicher Sprache zu den Inhaltsfeldern: Mensch und Welt, Gott, Jesus Christus und Muhammad. Das Lesebuch wurde von einem interreligiösen Autorinnenteam erarbeitet (Kristina Augst, Anke Kaloudis, Birgitt Neukirch und Esma Öger-Tunc). Das RPI bietet im Sommerhalbjahr 2019 unterschiedliche Fortbildungen dazu an (siehe oben).

Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam. Das Lexikon des Dialogs unternimmt erstmals das Wagnis, eine christliche und eine muslimische Sicht auf die eigene Religion gemeinsam zu präsentieren. Theologen aus Deutschland und der Türkei erklären die Grundbegriffe ihrer Religion, stellen sie nebeneinander und laden so ein, das Eigene und das Fremde besser zu verstehen. Im Herderverlag erschienen.  

 



10. Internetlinks

 

- auf Entdeckungstour gehen! Eine Schnitzeljagt durch unterschiedliche Länder und Religionen:  Hier klicken!

- eine informative Seite des Weltethos-Projektes mit hilfreichen Infos: Hier klicken!

-  ein umfangreiches Portal zu Fragen rund um das Thema Islam beim WDR: Hier klicken!

- Weltbild Antisemitismus - Didaktische und methodische Impulse der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt: Hier klicken!

-  Informationen der EKD zum Thema Antisemitismus: Hier klicken!



11. Denkanstoß

Ein Beitrag zur Verbesserung unserer Welt

Bald ist es soweit: Am 14. Adar, der dieses Jahr auf den 20. März fällt, feiern wir Purim. Ein besonderer Brauch zu diesem Fest sind die „Mischlo’ach Manoth“. Nicht nur wörtlich, sondern auch ganz praktisch handelt es sich um sog. „Geschenksendungen“. Hierbei werden Armen und Hilfsbedürftigen Lebensmittel übergeben. Dadurch erfüllen wir ein wichtiges Gebot und drücken auf einzigartige Art und Weise die Liebe zu unserem Nächsten aus.

Im Jüdischen Religionsunterricht stellen die Schülerinnen und Schüler kleine Päckchen mit verschiedenen selbstgebackenen Köstlichkeiten zusammen. Diese bringen die Schülerinnen und Schüler Menschen, die oft nicht mehr in der Lage sind, zur Gemeinde zu kommen, und bereiten ihnen mit dieser Überraschung eine große Freude. Diesen Gedanken der Nächstenliebe können wir auch im christlichen und islamischen Religionsunterricht aufgreifen und realisieren.

Hier geht es zum ganzen Text von Mark Krasnov!

Mark Krasnov ist jüdischer Religionslehrer in Wiesbaden.



IMPRESSUM

Der "Interreligiöse Newsletter" ist eine gemeinsame Publikation des Zentrums Oekumene der EKHN und der EKKW und des Religionspädagogsichen Institutes (RPI) der EKKW und der EKHN.

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Anke Kaloudis
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Tel.: 069 92107-299
anke.kaloudis@rpi-ekkw-ekhn.de
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Andreas Herrmann
Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
Praunheimer Landstraße 206, 60488 Frankfurt am Main
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herrmann@zentrum-oekumene.de
www.zentrum-oekumene.de

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