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Interreligiöser Newsletter
Ausgabe 1 / September 2017
EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

die erste Ausgabe des Interreligiösen Newsletters ist da! Bei diesem Newsletter handelt sich um eine Kooperation des Zentrums Oekumene und des Religionspädagogischen Institutes der beiden hessischen Landeskirchen. Der zunehmenden Komplexität und Vielschichtigkeit von religiösen Fragen in unserer Gesellschaft kann nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure begegnet werden.

Der interreligiöse Dialog wird auf verschiedenen kirchlichen Ebenen geführt und ist auch im schulischen Kontext von großer Bedeutung. Beide Bereiche können voneinander profitieren. Als Lehrkraft muss ich wissen, welche Moscheegemeinden im Umfeld der Schule liegen, welche Ansprechpartner ich kontaktieren kann, welche religiösen Feiertage es zu beachten gilt oder welche Themen den interreligiösen Dialog aktuell bestimmen.

Umgekehrt zeigen sich gesellschaftliche Veränderungen an der Schule oft schneller als im Gemeindekontext. Aus der Perspektive der Kirchengemeinden verdichtet sich die interreligiöse Begegnung in der Schule. Auf kleinstem Raum brechen hier Fragen auf, die auch über die Schule hinaus von Relevanz sind, so zum Beispiel die Gestaltung von multireligiösen Gottesdiensten in Kooperation von Gemeinde und Schule.

Der neue Interreligiöse Newsletter des Zentrums Oekumene und des RPI versucht diese unterschiedlichen Sichtweisen miteinander zu verbinden. Er bietet Informationen zu den Themen Kirche und Religionen sowie Schule und Religionen. Darüber hinaus finden Sie Veranstaltungshinweise und Material - sowie Internetlinks, die aktuelle Fragestellungen aufgreifen. Ein kleiner Denkanstoß schließt den Newsletter ab. Hier ist die Innenperspektive einer Religion zu hören.

Der Interreligiöse Newsletter erscheint zweimal im Jahr: im Februar und im September.

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie waren bisher an der einen oder anderen Stelle entweder mit dem Zentrum Oekumene oder mit dem RPI in Kontakt, als es um interreligiöse Fragen ging. Deswegen haben wir uns erlaubt, Sie auf die Adressenliste des Interreligiösen Newsletters zu setzen. Wenn Sie aus dem Verteiler gestrichen werden wollen, dann gehen Sie auf den entsprechenden Link am Ende des Impressums.  

Und nun wünschen wir eine anregende Lektüre.

Andreas Herrmann und

Anke Kaloudis



INHALT
Kirche und Religionen
Schule und Religionen
Fortbildungen und Veranstaltungen
Material und Internetlinks
Denkanstoß

Kirche und Religionen


Konferenz für Islamfragen (KIF)

In der ersten Ausgabe möchten wir Ihnen die sog. Konferenz für Islamfragen vorstellen. Es handelt sich dabei um eine Einrichtung der beiden hessischen Landeskirchen, zu der vom Zentrum Oekumene in Frankfurt a.M. vier Mal im Jahr eingeladen wird. Die Termine stehen fest: Jeweils am ersten Montag im März, im Juni, im September und im November finden die Konferenzen abwechselnd vor- und nachmittags statt.

Bei der KIF handelt es sich um keine Arbeitsgruppe oder ein festes Gremium, sondern um ein Netzwerk. Zu den Treffen kommen Personen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Islam zu tun haben. Die in der Regel dreistündigen Treffen dienen sowohl der Fortbildung als auch dem kollegialen Austausch.

Beim ersten Treffen im März dieses Jahres wurden z.B. die aktuellen Entwicklungen in der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB) diskutiert, im Juni stand ein Besuch bei der Christliche-Islamischen Dokumentations- und Begegnungsstelle e. V. (CIBEDO) der deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt am Main auf dem Programm.

Die KIF bietet eine Plattform für Diskussion und den Austausch relevanter Fragen im christlich-islamischen Dialog. Wer Interesse an Einladungen und Protokollen hat, schicke bitte eine E-Mail an: herrmann@zentrum-oekumene.de

 

Die Erklärung von Marrakesch

Im Januar 2016 haben sich in Marrakesch über 250 muslimische Gelehrte, Staatsoberhäupter und Autoritäten getroffen, um über die Rechte religiöser Minderheiten in muslimisch dominierten Ländern zu beraten. Auch Vertreter anderer Religionen haben an der Konferenz teilgenommen. Schirmherr der Veranstaltung war der König von Marokko, Mohammed VI.  Der der Konferenz vorausgehende längere Konsultationsprozess wurde von dem muslimischen Gelehrten Sheikh Abdallah ibn Bayyah geleitet. Sheikh Ibn Bayyah ist Präsident des "Forum for Promoting Peace in Muslim Societies" (Vereinigte Arabische Emirate). Das Abschlussdokument wurde als "Marrakesh Declaration" verabschiedet. Hierfür wurde eigens eine Internetseite eingerichtet: http://www.marrakeshdeclaration.org. Bisher lag die Erklärung in arabischer, englischer, italienischer und niederländischer Übersetzung vor. Durch eine gemeinsame Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) und des Zentrums Oekumene in Frankfurt am Main ist nun auch eine deutsche Übersetzung auf den Weg gebracht worden. Diese wurde im Rahmen einer Festveranstaltung am 4. Mai 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Marrakesch-Erklärung handelt es sich um ein richtungsweisendes Dokument, das eine intensive Diskussion und Würdigung auch in Deutschland verdient. Die Voraussetzung ist mit der deutschen Übersetzung (Link) nun gegeben.    




Schule und Religionen


Prävention gegen religiös begründeten Extremismus/gewaltbereiten Salafismus

Violence Prevention Network (VPN) und Salam                                          

Seit einigen Jahren gibt es in Hessen die Beratungsstelle Violence Prevention Network in Frankfurt und Kassel. Diese Beratungsstelle arbeitet im Bereich der Prävention und Intervention bei religiös begründetem Extremismus beziehungsweise gewaltbereitem Salafismus. Das Beratungsteam von VPN kommt auf Anfrage in die Schulen und berät Lehrkräfte. Auch die Elternarbeit und die gezielte Arbeit mit Jugendlichen gehören zum Aufgabenbereich der Beratungsstelle. In etlichen Fällen konnten die Referenten und Referentinnen von VPN gefährdeten Jugendlichen helfen. Nähere Informationen sind hier zu finden ...

In Rheinland-Pfalz wird diese Arbeit von der Beratungsstelle Salam beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz verantwortet. Weitere Informationen finden Sie hier ...

 

Islamischer Religionsunterricht in Hessen

Seit vier Jahren gibt es bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Hessen. Er wurde im Schuljahr 2013/2014 eingeführt. Derzeit werden an 56 Grundschulen etwa 3000 Schüler und Schülerinnen von ca. 80 muslimischen Lehrkräften unterrichtet.

Islamischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach nach Artikel 7, Absatz 3 des GG. Er wird deshalb als res mixta im Einvernehmen mit den muslimischen Religionsgemeinschaften DITIB Landesverband Hessen und Ahmadiyya Muslim Jamaat erteilt. Ziel ist die religiöse Urteilsbildung der Schüler und Schülerinnen auf der Grundlage der Kerncurricula für Islamische Religion.

Die Lehrkräfte sind ausgebildete staatliche Lehrer und Lehrerinnen, die einen Weiterbildungskurs durchlaufen oder auch ein grundständiges Studium absolvieren können. Für den Bereich der Grundschule ist die Justus-Liebig-Universität in Gießen und für den Bereich der Sekundarstufe I ist die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt verantwortlich.

Ab dem neuen Schuljahr 2017/2018 wird islamischer Religionsunterricht auch in der Sekundarstufe I angeboten.

Das RPI bietet eine interreligiöse Lehrerfortbildung für muslimische, evangelische und katholische Lehrkräfte von November 2017 bis März 2018 an. Dabei geht es um inhaltliche Fragen wie Koran/Bibel; Kirche/Moschee; Jesus/Mohammed usw. Nähere Informationen dazu finden Sie hier ...




Fortbildungen und Veranstaltungen


Interreligiöse Lernprozesse im Unterricht gestalten

Fachsprechertagung für Lehrkräfte der Sekundarstufe I vom 6.-8. September 2017: Anmeldung hier ...

 

Materialbörse zum Dialogischen Lernen

Studiennachmittage in Hanau, Frankfurt, Gießen und Marburg für Lehrkräfte SEK I und GS am 11.9.2017; 20.11.2017; 18.1.2018 und 06.2.2018: Anmeldung hier ...

 

Die Blumen des Koran - Koran verstehen und erleben

Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar am 2./3. November 2017 - geeignet für alle Interessierten: Hier geht es zum Flyer der Tagung ...

 

Buddhismus kennenlernen und erleben

Exkursion in das Tibethaus in Frankfurt am 15. November 2017 - geeignet für alle Interessierten: Anmeldung hier ...

 

Diskussions- und Informationsforum: Migration und Schule

Studientag im RPI Frankfurt, 5. Dezember 2017 - geeignet für alle Interessierten: Anmeldung hier ...

 

Hat Religion etwas mit Gewalt zu tun?

Ein Studiennachmittag am 29. Januar 2018 im RPI in Frankfurt - geeignet für Lehrkräfte der SEK I und BBS: Anmeldung hier ...

 

Im Dialog - Begegnungen mit islamischen Verbänden und Interessengruppen in Köln

Pastoralkolleg bzw. Fortbildung für Pfarrer und Pfarrerinnen in Köln (23.4.-27.4.2018): Infos siehe hier ... 




Material und Internetlinks


Ist der Islam mit dem Grundgesetz vereinbar? Dürfen muslimische Schüler und Schülerinnen am Sportunterricht teilnehmen? Ein FAQ-Portal von Muslimen zum Thema Islam mit Videoclips und Texten: Hier klicken ...

Islamportal: grundlegende und fundierte Informationen zum Glauben der Muslime in Geschichte und Gegenwart - eine Internetplattform von dem Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik in Innsbruck: Hier klicken ...

Begriffswelten Islam. Infos zum Thema Islam, die YouTuber für die Bundeszentrale für politische Bildung zusammengestellt haben. Für den Unterricht und die Gemeindearbeit sehr zu empfehlen! Hier klicken ...

Forum am Freitag: Das Forum am Freitag bietet wöchentlich ca. 15-minütige Filmbeiträge zu aktuellen wie ausgefallenen Themen ("Muslim und vegan - passt das zusammen?") aus der muslimischen Communitiy. Sehr informativ! Hier klicken ...

Unterrichtsmaterial: Unterrichtsbausteine zu allen Weltreligionen sind in folgendem Materialpool zu finden: Hier klicken ...

 

Büchertipps

Willi Steul (Hrsg.): Koran erklärt. Ein Beitrag zur Aufklärung, Suhrkamp Verlag 2017.

Was sagt der Koran über das Jenseits? Wie lassen sich die Suren zum Thema Schöpfung verstehen? Was kann man über Juden und Christen, Gewalt und Frieden im Koran finden? Das im Suhrkamp Verlag herausgegebene Buch enthält in kurzer und prägnanter Form Antworten auf diese und andere Fragen. Islamische Theologen und Orientwissenschaftler erläutern in allgemeinverständlicher Sprache Koranverse und ihre Bedeutung. Entstanden ist das Buch im Rahmen der Sendereihe "Koran erklärt" des Deutschlandfunks. Über 80 Koransuren werden interpretiert. Daneben erfährt der Leser in drei Aufsätzen etwas über Koranexegese und Koranhermeneutik. Zur Lektüre sehr gut geeignet.  

 

Nilüfer Göle: Europäischer Islam. Muslime im Alltag, Verlag Klaus Wagenbach 2016. 

Moscheebau? Kopftuch? Scharia? Die letzten Jahre waren geprägt von kontroversen Debatten über den Islam. Die in Frankreich lehrende Soziologin Nilüfer Göle geht ihnen auf den Grund, indem sie mit Menschen spricht, die diese Fragen angehen - von Köln bis Sarajevo, von Istanbul bis Paris. Dabei kommen neue Identitäten und Formen des Zusammenlebens zur Sprache und natürlich auch Konflikte, die oftmals durchaus kreativ gelöst werden. Gerade in Zeiten von Terror scheinen die Konfrontationslinien zwischen Islam und europäischer Welt härter zu werden, aber dieser Eindruck trügt. Wie die Autorin zeigt, ist der Islam längst Bestandteil unseres - gemeinsamen - modernen Alltagslebens geworden. Leicht zu lesen!   




Denkanstoß


War sie nicht auch ein Mensch?

Eines Tages saßen der Prophet Muhammed (s.a.v.) und seine Freunde zusammen und unterhielten sich, als eine Gruppe mit einem Leichnam für eine Bestattung an ihnen vorbeischritt. Muhammed (s.a.v.) stand auf, als er den Leichnam sah. Ähnlich machten es seine Freunde nach. Als die Gruppe vorbeigezogen war, sprach einer der Freunde des Propheten: “Allah’s Gesandter, weshalb bist du aufgestanden? Diese Frau war keine Muslima, sie war Jüdin!“ Der Prophet Muhammed erwiderte: „War sie nicht auch ein Mensch?“ (Überliefert von Müslim, Cenaiz, 78, Hadis no:1593)

Die Achtung der Menschen innerhalb einer Gesellschaft, sowohl im Leben als auch nach dem Tod, ist überkonfessionell und gilt für alle Religionen. Was zählt, ist der Mensch, die Nächstenliebe und die Zuneigung zum Geschöpf.

Gott ist seinen Geschöpfen in Liebe verbunden.

 

Hilal Akdeniz (Soziologin und Journalistin, Frankfurt am Main)



IMPRESSUM

Der "Interreligiöse Newsletter" ist eine gemeinsame Publikation des Zentrums Oekumene der EKHN und der EKKW und des Religionspädagogsichen Institutes (RPI) der EKKW und der EKHN.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:

Anke Kaloudis
Religionspädagogisches Institut der EKKW und der EKHN
Regionalstelle Frankfurt
Rechneigrabenstraße 10, 60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069 92107-299
anke.kaloudis@rpi-ekkw-ekhn.de
www.rpi-ekkw-ekhn.de

Andreas Herrmann
Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
Praunheimer Landstraße 206, 60488 Frankfurt am Main
Tel.: 069 976518-69
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