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Interreligiöser Newsletter
Ausgabe 9 / September 2021
EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz nach den Sommerferien möchten wir Sie mit unserem Newsletter grüßen und Ihnen für die kommenden Monate viel Schwung und Energie wünschen. Wir haben Einiges aus dem Interreligiösen Bereich für Sie zusammengestellt: Neuigkeiten zum Dialog zwischen Christ*innen und Muslim*innen, aktuelle Entwicklungen aus dem Kontext Schule und Unterricht, Veranstaltungshinweise und interessante Materiallinks.

Eine anregende Lektüre wünschen

Andreas Herrmann    &    Anke Kaloudis 



INHALT


Konferenz für Islamfragen

Treffen mit Dialogbeauftragten des DITIB LV Hessen im November

Vier Mal im Jahr findet die Konferenz für Islamfragen der EKHN und der EKKW im Zentrum Oekumene statt. Im März stand ein Vortrag zum Politischen Islam auf dem Programm. Im Juni waren wir im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Islamrates in Hessen Ibrahim Gülsever und dem Hanauer Imam Mustafa Macit Bozkurt, im August wurde der Entwurf des Papiers "Zum Verhältnis des Christentums zum Islam. Impulse für eine theologische Orientierung" diskutiert, an dem eine Arbeitsgruppe der EKHN gearbeitet hat und am 1. November von 15 bis 18 Uhr ist ein Treffen mit den Dialogbeauftragten des DITIB Landesverbandes Hessen vorgesehen. Der Landesverband bildet regelmäßig sog. Dialogbeauftragte aus, deren primäre Aufgabe in Moscheeführungen besteht. Aktuell steht ein Kurs vor dem Abschluss. Mit den Absolventen dieses Kurses ist der Austausch im November geplant. Dabei wird es insgesamt auch um die Frage gehen, wo wir aktuell im Dialg mit der DITIB stehen. Bei Interesse E-Mail an: herrmann@zentrum-oekumene.de 



Rückblick: 3. Interreligiöse Fachtagung am 16. Juni 2021 (digital)

Am 16. Juni 2021 fand zum dritten Mal eine Interreligiöse Fachtagung unter dem Thema "Klimakrise im 21. Jahrhundert - zur Möglichkeit eines gemeinsamen theologischen Sprechens und Handelns von Christ*innen  und Muslim*innen" statt. Die Fachtagung war eine Kooperation des Zentrums Oekumene mit der Universität Gießen. Wirbelstürme, Waldbrände, Hochwasser und andere Katastrophen weltweit zeigen, dass die Klimakrise die zentrale Herausforderung im 21. Jahrhundert ist. Sie stellt eine reale Bedrohung für die gesamte Schöpfung dar. Bei der dritten Interreligiösen Fachtagung wurde den Fragen nachgegangen, welche Reaktionen von den Religionen in dieser Situation kommen und welche Impulse von ihnen ausgehen. Ein wesentlicher Fokus lag auf der Frage, inwieweit sich das Reden von der Schöpfung in Christentum und Islam verknüpfen lässt. Das Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer verbindet Judentum, Christentum und Islam. Lassen sich die jeweiligen Traditionen so miteinander verbinden, dass ein gemeinsames theologisches Reden möglich ist? Wenn das gelänge, könnte dies zu einem wichtigen interreligiösen Signal für ein gemeinsames verantwortungsvolles Engagement in einer durch die Klimakrise gefährdeten Welt werden. Der Fragestellung wurde am Vormittag in zwei Hauptvorträgen nachgegangen, die jeweils die islamische bzw. christliche Schöpfungslehre in ihren interreligiös Bezügen darlegten. Die Vorträge sind unter folgendem Link noch zugänglich: https://youtu.be/BPZ3X831Bko 

Am Nachmittag standen Beispiele aus der Praxis auf dem Programm. Es wurde das Klimafasten der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sowie das Engagement des islamischen Umweltschutzvereins NourEnergy e.V. aus Darmstadt vorgestellt. Ein Podium u.a. mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann schloss die Tagung ab. Sowohl Frau Dr. Hofmann als auch Kirchenpräsident Dr. Dr. Volker Jung haben bereits ihre Teilnahme für die 4. Interreligiöse Fachtagung zugesagt, die am 29. Juni 2022 stattfinden wird.     



Kompetenzzentrum für muslimische Frauen e.V.

Das Kompetenzzentrum muslimischer Frauen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein von muslimischen Frauen für muslimische und muslimisch gelesene Frauen. 2009 wurde der Verein von einem Zusammenschluss muslimischer Akademikerinnen und Expertinnen gegründet und ist seitdem im Rhein-Main-Gebiet Ansprechpartner für Belange rund um den Islam und speziell Frauenthemen. Der Verein agiert unabhängig von Moscheeverbänden oder religiösen Initiativen und bietet Bildungs- und Beratungsangebote zu den Themen Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit an. Im Verein werden Kompetenzen muslimischer Frauen gebündelt und als Ressource für die Weiterentwicklung und Verbesserung von muslimischer Frauen- und Mädchenarbeit genutzt. Als Mitglied verschiedener Gremien, Arbeitskreise und Dialogforen leistet das Kompetenzzentrum Arbeit auf akademischer als auch auf niederschwelliger Basis. Mit einem 2021 gewählten neuen Vorstand möchte der Verein die inhaltlichen Schwerpunkte zukünftig vor allem auf die Themen islamischer Feminismus, interreligiöser Dialog und soziale Frauen- und Mädchenarbeit legen. Kontakt: muslimakompetenz@gmail.com. Weitere Informationen: https://kmf-zentrum.de/



Aufeinandertreffen im Fußballspiel: Pfarrer und Imame

Seit zwei Jahren liefen die Vorbereitungen zu dieser Begegnung in Frankfurt-Griesheim. Ibrahim Gülsever vom Islamrat Hessen hatte Anfang 2020 den ersten Impuls gegeben. Andreas Hermann vom Zentrum Ökumene und Peter Noss, Ökumenepfarrer in der Wetterau und im Vorstand des Arbeitskreises „Kirche und Sport“, haben den Ball gerne aufgegriffen. Allein die Pandemie verhinderte lange Zeit einen echten Kick. Am 5. September war es nun so weit: Bei besten äußeren Bedingungen war um 17.00 Uhr Anpfiff - sieben Pfarrer auf der einen, sieben Imame auf der anderen Seite.

Die Idee hinter dem Spiel ist es, sich auf spielerische, freundschaftliche Weise zu begegnen und einander kennenzulernen. Beim Sport geht es nicht zuerst um komplizierte Fragen, sondern zuerst um den Ball. Alles weitere kommt dann später dazu. 

In der Anfangsphase war das Spiel noch ausgeglichen, die Imame gingen zweimal in Führung, doch das Pfarrerteam konnte jeweils ausgleichen, zur Halbzeit stand es 5 : 2 für die Pfarrer, deren bessere Kondition am Ende zu einem deutlichen 16:4 verhalf. In dem äußerst fairen Spiel hatte der Schiedsrichter wenig zu tun. Am Ende waren alle Beteiligten zufrieden: Beim anschließenden Essen im Hof der Griesheimer Moschee direkt gegenüber des Platzes wurde verabredet, ein weiteres Spiel dann vor einem größeren Publikum zu organisieren.



Religionsunterricht in konfessioneller Kooperation

Auswertung eines Projekts an nordhessischen Gesamtschulen und eine Zwischenbilanz

Die Frage nach der Konfessionalität des Religionsunterrichtes beschäftigt die Kirchen schon seit geraumer Zeit. Neben den klassischen Formen rein konfessionell oder aber auch gemischt-konfessionell geprägter Lerngruppen wird zur Zeit noch eine weitere Variante diskutiert: konfessionell-kooperativer Unterricht. In den vergangenen Jahren gab es dazu eine Projektphase an vier nordhessischen Gesamtschulen, die wissenschaftlich ausgewertet wurde und deren Ergebnis nun vorliegt: Hier klicken!

Das RPI hat dies zum Anlass genommen, im Hinblick auf konfessionelle Kooperation eine Zwischenbilanz zu ziehen und einen Lernertrag des Projektes festzuhalten. Ein Blick in das RPI-Info lohnt sich: Hier klicken!



Christlicher Religionsunterricht in Niedersachsen

Das Bundesland Niedersachsen verfügt über eine langjährige Erfahrung im Bereich der konfessionellen Kooperation im Religionsunterricht. Nun ist ein weiterer Schritt nach vorn gegangen: Niedersachsen startet einen von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam konzipierten christlichen Religionsunterricht, der konfessionell verantworetet wird und in einen Beratungsprozess eingebettet ist. Weitere Informationen: Hier klicken! Zum Positionspapier der beiden Kirchen: Hier klicken!



Noah, die Flut und unsere globale Verantwortung heute

Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens im Gespräch mit Schüler*innen

Nachrichten über Flutkatastrophen, Hitzewellen und Klimawandel häufen sich und werfen die Frage nach einem verantwortungsbewussten Handeln gegenüber Natur und Umwelt auf. Die 29. Jüdische Bibelwoche vom 3. bis 6. Oktober 2022 greift diese aktuellen Entwicklungen auf und kommt mit Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens über das Thema "Noah, die Flut und unsere globale Verantwortung heute" ins Gespräch. Rabbiner Ahrens sagt: "In den ersten Oktobertagen lesen Jüdinnen und Juden in den Synagogen die berühmte Geschichte von Noah und der Flut. In ihr geht es nicht primär um die Strafe Gottes, sondern um die Verantwortung als Menschen für die Welt, in der wir leben. Nach jüdischem Verständnis sollen wir als Partnerinnen und Partner Gottes in der Schöpfung die Welt nutzen, aber sie auch schützen und erhalten."

Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens wird im Rahmen der 29. Jüdischen Bibelwoche vom 3. bis zum 6. Oktober in Kassel, Bad Herfeld und Hanau referieren und zum Gespräch zur Verfügung stehen. Für Schulen besteht die Möglichkeit, sich am 5. Oktober zwischen 11.30 Uhr und 13.00 Uhr per Videokonferenz mit Jehoschua Ahrens zusammen zu schalten und in einen Austausch zu treten. Zur Vorbereitung können folgende Unterrichtsbausteine verwendet werden: Hier klicken!

Für weitere Informationen: Hier klicken!



Jüdische Feiertage in der nächsten Zeit

Religiöse Feiertage prägen das Leben der Gläubigen. Sie strukturieren den Jahreslauf, dienen der Erinnerung religiöser Traditionen und stiften Identität sowie Gemeinschaft. 

Hier gibt es Informationen zu den jüdischen Feiertagen zwischen September und Dezember 2021: Jom Kippur, Sukkot, Simchat Tora, Chanukka und der 10.Tewet. Hier klicken!

Wir wünschen eine gute Zeit!



Relithek.de: neue Erklärfilme zum Buddhismus

Seit gut einem Jahr ist die interreligiöse Plattform Relithek.de online. Bislang gibt es Erklärfilme und Unterrichtsmaterial zum Judentum und Islam. Nun liegt neues Filmmaterial zum Buddhismus vor. Tenzin Peljor (buddhistischer Mönch) erklärt, was es mit den Themen "Die drei Juwelen", "Meditation", "Buddha" und die "Vier edlen Wahrheiten" auf sich hat. Die Filme sind für Lehrkräfte, Schüler:innen und Interessierte frei zugänglich und im Unterricht einsetzbar.

Relithek.de ist ein gemeinsames Projekt des Religionspädagogischen Institutes der EKKW und EKHN (RPI) und der Professur für Religionspädagogik am Fachbereich für Evangelische Theologie in Frankfurt am Main und steht im Kontext des vom LOEWE-Programm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst geförderten Forschungsschwerpunkts Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten an der Goethe-Universität Frankfurt/Justus-Liebig-Universität Gießen.

Zur Webseite geht es hier: Klicken!



Veranstaltungen

23.09.2021: 7. Kasseler Trialogtag zur Stärkung kultureller Vielfalt in Schule und Jugendarbeit: Hier klicken!

28.10.2021: Online: »Mal wieder die Juden!« Antisemitismus und Verschwörungsideologien als Thema der Pädagogik. Veranstaltungsreihe in fünf Modulen: Hier klicken!

17.11.2021: Lernen im Dialog (Nord): Veranstaltungsreihe für christliche und muslimische Lehrkräfte sowie für Ethiklehrkräfte: Hier klicken!

24.11.2021: Lernen im Dialog (Süd): Veranstaltungsreihe für christliche und muslimische Lehrkräfte sowie für Ethiklehrkräfte: Hier klicken!

30.11.2021: Feste interreligiös - Chanukka feiern: Hier klicken!

01.12.2021: Online: Weltreligionen digital: Hier klicken!

24.01.2022: Religionssensibles Coaching in der Schule - Fortbildungsreihe für Lehrkräfte zur Förderung der Beratungskompetenz im Kontext gesellschaftlicher und religiöser Vielfalt: Hier klicken!

Save the date: 13.Tagung der Religionspädagogischen Gespräche 2022 zum Thema "Heilige Orte" vom 21.bis 22. Februar

Die Anmeldung erfolgt für die Veranstaltungen unter: frankfurt@rpi-ekkw-ekhn.de oder unter der Telefonnummer 069-92105 6693, sofern keine anderen Angaben in der Ausschreibung der Veranstaltungen genannt sind.



Material und Büchertipps

Rudi für alle: Unterrichtsmaterialien für die SEK I aus dem PTI der Nordkiurche für einen dialogischen Religionsunterricht, der religiöse Vielfalt und Diversität zur Grundlage macht. Tolles Material. Gut aufbereitet und strukturiert. Große Schüler*innennähe. Mehr Informationen: Hier klicken!

Gotteshäuser entdecken - Synagoge, Kirche, Moschee: Ein Arbeitsheft ab Klasse 5 mit einführenden Informationen zu den Gotteshäusern und gut aufbereiten Augaben zur Erkundung und Exkursion. Mehr Informationen: Hier klicken!

Judentum und Islam im Religionsunterricht. Theoretische Analysen und empirische Befunde im Horizont des interreligiösen Lernens: Wie können Judentum und Islam im Religionsuntericht unterrichtet werden? Auf welche didaktischen Prinzipien muss geachtet werden? Und was sagen die Bildungspläne dazu? Die von Friedrich Schweitzer und Ibtissame Bucher herausgebenen Analysen geben darüber Aufschluss. Mehr Informationen: Hier klicken!



Internetlinks

Thema Buddhismus

Buddhismus: Die Entstehung (Videoclip bei arte.tv): Hier klicken!

Buddhismus: Symbole und Schriften (Videoclip bei arte.tv): Hier klicken!

Buddhismus: Gebete und Feste (Videoclip bei arte.tv): Hier klicken!

Buddhismus: Wie verhalte ich mich in einem buddhistischen Tempel: Hier klicken!

Thema Tod und Trauer in den Religionen

Bestattungsrituale in Judentum, Christentum und Islam (Videoclip): Hier klicken!

Bestattungsrituale im Islam (Videoclip bei arte.tv): Hier klicken!

Bestattungsrituale im Christentum (Videoclip): Hier klicken!



Denkanstoß

Ehrenmord oder Femizid

Nachdem kürzlich eine junge Mutter von ihren zwei Brüdern für ihren selbstbestimmten Lebensstil ermordet wurde, erwachten die alten Geister der „Ehrenmorddebatte“ in Deutschland. Politiker*innen fühlten sich dazu aufgefordert, sich eilig zu äußern; Vorurteile wie „der Islam sei rückständig“ und „frauenverachtend“ waren wieder im Umlauf. Rechte Foren überschlugen sich förmlich, weil die Benutzer*innen sich bestätigt fühlten. Überwiegend waren die Kommentare und Artikel zum Thema „Ehrenmord“ jedoch differenziert und vor allem mit dem Fokus auf das Thema „Femizide“ verfasst. Ein Femizid ist die Tötung einer Frau aufgrund ihres Frauseins. Alleine in Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau Opfer eines solchen Verbrechens. Das Motiv hinter den Taten ist das Bedürfnis einer endgültigen Machtübernahme eines Mannes über das Leben –  oder in dem Falle den Tod – einer Frau. Patriarchale Denkmuster in Weltanschauungen und eine schon pathologische Eifersucht führen zu diesem verzerrten Bild eines Geschlechter-Machtgefüges. Die Journalistin Düzen Tekkal sagt auf ihrem Instagram-Account über Ehrenmorde: „Sicherlich ist der Ehrenmord ein Femizid, aber nicht jeder Femizid ist ein Ehrenmord.“  Unter „Ehrenmord“ wird das Ermorden einer Frau für das Verletzen einer imaginären Familienehre verstanden, um diese wiederherzustellen. Laut der Juristin Julia Kasselt, die zu dem Thema geforscht hat, stammt die Praxis der Ehrenmorde aus einer Zeit und einer Welt, in der noch Stämme mit eigenen Rechtsordnungen herrschten und sich vor den jeweils anderen verteidigen mussten. Daher seien Ehrenmorde ein „kulturelles“ und kein „religiöses“ Phänomen.  Vgl. https://www.tagesspiegel.de/wissen/forschung-zu-ehrenmorden-auch-deutsche-toeten-ihre-frauen/25519340.html

Allerdings spielen religiöse bzw. falsch verstandene religiöse Elemente oft eine zentrale Rolle in den Motiven der Ehrenmörder (kein Gendern hier, es sind fast ausschließlich männliche Täter). Nach dem Mord an der jungen Mutter und auch schon vorher wurden innermuslimische Debatten über toxisch-patriarchale Strukturen in manchen muslimischen Familien angestoßen. Mit einem selbstkritischen Blick nach innen setzten muslimische Akteur*innen sich in öffentlichen Diskussionen, auf Blogbeiträgen und auf Social Media damit auseinander, dass es durchaus diese patriarchalen Mentalitäten gibt und diese oft durch die Religion scheinlegitimiert werden. Gleichzeitig wird auch in innermuslimischen Diskursen immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht der Islam selbst, sondern das entstellte Verständnis dessen die Grundlage für Ehrenmorde sein kann. Ein Blick auf die Frauenrechte in der islamischen Jurisprudenz widerspricht allen Gewalt- und Machtfantasien, die zu einem Ehrenmord führen können, auch wenn es in extremen Strömungen zu gegenteiligen Interpretationen kommt. Es ist bekanntermaßen nicht unüblich, dass stark orthodoxe Strömungen in Religionen Frauenrechte lieber zugunsten der Männer auslegen. Um zum Kernproblem zu gelangen und präventiv dagegen anzugehen, ist Apologetik und Abwehren von Debatten fehl am Platz. Stattdessen braucht es klare Benennung und Aufklärung, um patriarchalen Strukturen entgegenzuwirken. Das Kernproblem ist nicht die Religion des Islam, sondern ein frauenverachtendes Weltverständnis. Innermuslimisch und überall dort, wo Femizide verübt werden.

Meryem Tinç


 



IMPRESSUM

Der "Interreligiöse Newsletter" ist eine gemeinsame Publikation des Zentrums Oekumene der EKHN und der EKKW und des Religionspädagogsichen Institutes (RPI) der EKKW und der EKHN.

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anke.kaloudis@rpi-ekkw-ekhn.de
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Andreas Herrmann
Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
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