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Interreligiöser Newsletter
Ausgabe 11 / November 2022
EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz nach den Herbstferien möchten wir Ihnen mit unserem Interreligiösen Newsletter einige Informationen und hilfreiche Tipps rund um die Themen Interreligiöser Dialog und Interreligiöses Lernen zukommen lassen. 

Wir begrüßen an dieser Stelle ganz herzlich Dr. Andreas Goetze, der mit Dienstantritt am 15. November im Zentrum Oekumene in Frankfurt in unser Newsletter-Team einsteigt. Dr. Andreas Goetze sagt: „In einer postmigrantischen Zeit und angesichts der vielfältigen Kulturen und Religionen bei uns ist der interreligiöse Dialog für Kirche und Gesellschaft ein entscheidendes Zukunftsthema. Er leistet einen sichtbaren Beitrag zur Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ob religiös oder weltanschaulich geprägt: Es geht um Respekt und Achtsamkeit, um ein Ringen um Wahrheit, ohne den anderen gleich für defizitär zu erklären. Dazu gehören für mich auch die Bereitschaft zur Selbstkritik und Veränderung hin zu einer Haltung, sich selbst stets als einen Lernenden, einen Suchenden zu verstehen. Zuhören und wahrnehmen, das möchte ich zuerst. Und dann freue ich mich auf Begegnungen und auf die gemeinsame Entwicklung interessanter Impuls-Formate."

Nun wünschen wir viel Spaß beim Stöbern!

Judith Noa &  Anke Kaloudis 



INHALT


Herzlich Willkommen Dr. Andreas Goetze im Zentrum Oekumene in Frankfurt!

Zum 15. November 2022 beginnt Pfarrer Dr. Andreas Goetze (58) seinen Dienst als Referent für den interreligiösen Dialog mit dem Schwerpunkt Islam im Zentrum Oekumene in Frankfurt. Zu seinem Arbeitsfeld gehört auch die Begleitung und Betreuung des Studienprogramms „Studium im Mittleren Osten“ für Pfarrer:innen im Libanon sowie der Kontakt zu den christlichen Geschwistern in den orientalischen Kirchen, insbesondere zur rum-orthodoxen Kirche im Nahen und Mittleren Osten.

Andreas Goetze war von 1995 bis 2012 Gemeindepfarrer in Rodgau-Jügesheim und wurde dann zum Landeskirchlichen Pfarrer für den interreligiösen Dialog in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) berufen. Schwerpunkte seiner Arbeit waren der jüdisch-christliche Dialog (Mitinitiator der ökumenischen Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“), der christlich-islamische Dialog, das christlich-buddhistische Gespräch sowie religionspolitische Fragen. Dabei entwickelte er zahlreiche Fort- und Weiterbildungsangebote u. a für Pfarrer:innen und Lehrkräfte sowie im Bereich der kultur- und religionssensiblen Seelsorge. Goetze studierte Evangelische Theologie, Nebenfächer Judaistik und Philosophie, islamwissenschaftliche Studien und Studien zum orientalischen Christentum in Jerusalem und Beirut. Er war Vikar in Jerusalem, Studienaufenthalte führten ihn nach  Jerusalem, Ägypten, Armenien und in den Libanon. Er ist Geistlicher Begleiter und seit bald 30 Jahren als spiritueller Reiseleiter im Heiligen Land unterwegs, Konventsmitglied der „Evangelischen Geschwisterschaft e.V.“, im Vorstand des Jerusalemsvereins. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themenbereichen interreligiöser Dialog, Nah-Ost-Konflikt, sowie zu Theologie und Spiritualität.



Engel der Kulturen

Das Kunstprojekt "Engel der Kulturen" von Carmen Dietrich und Gregor Merten gibt es schon seit 2008, trotzdem hat es an Aktualität nichts eingebüsst. Die Plastik (Webseite "Engel der Kulturen") zeigt das Miteinander der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam in Form eines Engels. Unsere Gesellschaft benötigt den Dialog und die Begegnung zwischen den Religionen. Vielleicht ist der Engel der Kulturen ja etwas für den Unterricht oder einen Projekttag in der Schule. Weitere Informationen: Hier klicken!



Religionsunterrichte in Deutschland

Im Rahmen eines Online-Fachtages wurden im Frühjahr 2022 Einblicke in den jüdischen, den islamischen und den christlichen Religionsunterricht eröffnet. Klar wurde dabei, dass die Religionsunterrichte an ganz unterschiedlichen Stellen stehen. Bruno Landthaler (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg), Naciye Kamcili-Yildiz (Universität Paderborn) und Bernd Schröder (Georg-August-Universität Göttingen) kamen miteinander ins Gespräch. Weitere Informationen: Hier klicken!



Bekenntnisorientierter Religionsunterricht in Kooperation mit DITIB Hessen wieder aufgenommen

Nach dem Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 31. Mai 2022 wird ab dem Schuljahr 2022/2023 wieder Islamischer Religionsunterricht in Kooperation mit DITIB Hessen erteilt. Das Kultusministerium behält sich allerdings weitere Schritte vor. Hier geht es zur Presseerklärung des Hessischen Kultusministeriums: Hier klicken!



Beginn der Jüdisch-Christlichen Begegnungen 2022/2023: ,,…und sie lernen nicht mehr den Krieg‘‘

30 Jahre nach dem Start der "Jüdischen Bibelwoche" wird es Zeit für einen Neuaufbruch: „Jüdisch-Christliche Begegnungen“ heißt das Programm, mit dem, übers Jahr verteilt, Facetten der jüdischen Wirklichkeit zugänglich gemacht werden: Da ist Geselliges im Angebot („LeChajim!“), da gibt es Foren zum Diskutieren und Streiten („Tacheles!“), und natürlich ist auch der Klassiker, das gemeinsame „Lernen“ in der Heiligen Schrift, dabei („Schi’ur“). Am Beginn des Jahresprogramms steht - in der Woche des Laubhüttenfestes - die Einladung in die Sukkah zweier jüdischer Gemeinden. Weitere Informationen: Hier klicken!



relithek.de ist jetzt auch auf Instagram und Facebook

Seit einigen Wochen ist die interreligiöse Plattform relithek.de auch auf Instagram und Facebook. relithek.de ist eine Kooperation zwischen der Goethe-Uni in Frankfurt und dem RPI der EKKW und EKHN. Studierende drehen im Rahmen eines Uniseminares Erklärfilme zu den Weltreligionen. Neugiereig geworden? Dann: Hier klicken!

 



Wer hat Lust ein interreligiöses Memory zu spielen?

Relithek.de bietet seit Kurzen Memorys zu Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus. Gesucht werden Pärchen eines religiösen Gegenstandes und des Begriffes, der dazu gehört. Beispiel: Abbildung eines 9-armigen Kerzenleuchters und Zuordnung zum Begriff Chanukkia. Das Memory kann zum Beginn zur Lernstandserhebung oder auch zum Ende einer Unterrichtseinheit zur Sicherung des Wissens gespielt werden. Macht viel Spaß und steht auf relithek.de zum Download zur Verfügung. Hier klicken!



Veranstaltungen

 

23.11.2022, 10.00 Uhr - 17.00 Uhr: Lernen im Dialog Süd. Fortbildungsreihe für Lehrer*innen der Fächergruppe Religion und Ethik. Die Fortbildungsreihe umfasst sechs Module im Zeitraum November 2022 bis Mai 2023; Veranstaltungsort Frankfurt; Info und Anmeldung: Hier klicken! 

 

29.11.2022, 14.00 Uhr - 18.00 Uhr: Religionssensibles Coaching in der Schule. Fortbildung für Lehrkräfte zur Förderung der Beratungskompetenz im Kontext gesellschaftlicher und religiöser Vielfalt - Fortbildungsreihe im Umfang von fünf Modulen im Zeitraum November 2022 bis Mai 2023; Info und Anmeldung: Hier klicken!

 

01.12.2022, 16.00 Uhr -17.30 Uhr: Online im Trialog - Thema "Gottesvorstelungen." Die Veranstaltung "Im Trialog" wird einmal pro Monat online durchgeführt und beinhaltet grundlegende theologische Themen des Unterrichtes aus der Perspektive von Judentum, Christentum und Islam; Info und Anmeldung zu den Veranstaltungen: Hier klicken!

 

07.12.2022, 19:30 Uhr: Interreligiöser Preacher-Slam an der Urania Berlin. Dem oft bitter geführten Wettstreit der Religionen fehlte bisher das wohlwollende und sportliche Kräftemessen. Beim interreligiösen Preacher Slam steht die religiöse Rede, die Predigt, als Ort religiöser Sehnsucht und als poetisches Werk im Mittelpunkt. Da wird aus dem Poetry Slam ein Preacher Slam – wo eine oder einer siegt, aber alle gewinnen. Informationen und Tickets hier!

Und hier findet sich ein Bericht des DLF über einen bereits stattgefundenen Interreligiösen Preacher-Slam.

 



Material und Büchertipps

Judentum und Christentum im Dialog - Damit befasst sich die Ausgabe 1/2022 der Zeitschrift Religion unterrichten. Der Link zum kostenfreien Download inklusive Bausteine für Unterrichtsvorhaben findet sich hier: Kicken!

 

Die Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext erscheint zweimal jährlich und kann als Abo oder im Download bezogen werden. Sie möchte die Beziehung und das Verständnis zwischen Christen und Juden fördern, Antisemitismus und Rassismus auf allen Ebenen entgegenwirken, die Erinnerung an den Holocaust wach halten, die Freundschaft zwischen Christen und Juden vertiefen, Menschenrechte fördern und den Dialog öffnen für andere Religionen und Gruppen, insbesondere mit Muslimen. Dabei will sie in Kirchen, Theologie, Religionsgemeinschaften und in die gesellschaftliche Öffentlichkeit wirken, insbesondere in den Bereich der Bildung. Renommierte Autoren schreiben für diese Zeitschrift und es finden sich immer auch Impulse für den Unterricht. Hier gelangen Sie zur Homepage!

 

Unterrichtsbausteine zum Thema Antisemitismus: Die Unterrichtsbausteine des Anne-Frank-Zentrums Berlin beschäftigen sich u.a. mit Vorurteilen gegenüber Menschen jüdischen Glaubens und Möglichkeiten, mit antisemitischen Vorfällen im Schulkontext umzugehen. Dabei bieten die Unterrichtsbausteine einen Blick auf die Geschichte und den Holocaust. Hier klicken!

 

Grundschule religion: Begegnung mit den Islam - Die Broschüre des Friedrich-Verlages geht folgenden Fragen nach: "In Begegnungen können wir voneinander lernen – Funktioniert eine Begegnung mit dem Islam, wenn keine Musliminnen und Muslime im Religionsunterricht anwesend sind? Wie kann es gelingen, dass wir nicht nur über eine fremde Religion sprechen, sondern in einen Dialog gehen?" In den Beiträgen dieses Heftes wird diesen und weiteren Fragen nachgegangen. Hier klicken!

 

Religiöse Feiern in der Schule. Theorie und Praxis für religiös heterogene Situationen: Die Publikation von Bärbel Husmann und Bernd Abesser enthält wesentliche Infos und Hinweise zu Rahmenbedingungen und liturgischen Settings sowie konkrete Abläufe von Schulgottesdiensten, Texte, Worte, Lieder usw. Hier klicken!

 

Interkultureller Klassenkalender. Religiöse Feste und Feiertage aus aller Welt. Was leistet der Kalender und was will er? ... "Über den Jahreslauf hinweg liefert er Informationen über religiöse Feste von Judentum, Christentum und Islam sowie (inter-)nationale Gedenktage. Das dazugehörige Begleitheft erklärt jedes Fest kurz. ... Auf passenden Symbolkarten finden sich Anregungen für den Unterricht: Spielideen, Bastelanleitungen oder Impulse für theologische oder philosophische Gespräche." Hier klicken!

 

40 Geschichten aus dem Koran. Ein Lesebuch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. "Die 40 Geschichten sind im Koran enthalten, aber dort nicht in einer zusammenhängenden Form zu finden. Es ist das Verdienst dieses Lesebuches, die qur‘anischen Geschichten aus den verschiedenen Suren ausgewählt und als eigenständige Sammlung anzubieten, damit sie leichter gelesen und verstanden werden können." Hier klicken!



Internetlinks

Bekreuzigen sich Protestanten? Animierte Webseite zur Frage, welche Bedeutung das Sich-Bekreuzigen hat: Hier klicken!

Erklärvideo bei katholisch.de: Warum feiern wir Allerheiligen?: Hier klicken!

Erklärvideo bei heuteplus: Allerheiligen und Halloween - Was steckt dahinter?: Hier klicken!

Erklärvideo der Caritas München: Warum feiern wir Weihnachten?: Hier klicken!

Erklärvideo bei katholisch.de: Warum feiern wir Weihnachten?: Hier klicken!

Erklärvideo zum Chanukkafest: Hier klicken!



Denkanstoß

von Frank van der Velden

Wir können das Bild ändern!

Die muslimische Theologin Nayla Tabbara, eine der beiden Preisträgerinnen des diesjährigen Ibn Rushd-Preises für Religionsfreiheit, ging in ihrer Dankesrede am 8. September 2022 in Berlin auf die interreligiöse Bildungsarbeit im Libanon ein. In einer Gesellschaft, in der die Zugehörigkeit zu religiösen oder weltanschaulichen Gruppen als Kriterium für die Teilhabe an oder für den Ausschluss von Ämtern und Positionen gilt, behandeln die Bürger*innen ihre religiöse Identität und Vielfalt häufig als Privatsache und thematisieren sie immer weniger nach außen. Das Bild bestimmen somit neben den offiziellen religiösen Autoritäten zunehmend die Extremist*innen – gerade in Zeiten der Sozialen Medien. Doch warum denen das Feld überlassen, die Religion als Mittel zur gesellschaftlichen Spaltung und Konfliktverschärfung nutzen wollen? Nayla Tabbara versucht dagegen ‚normale‘ Menschen zu ermutigen, ihre eigenen Geschichten des Umgangs mit religiöser Vielfalt zu erzählen und diese als alternative Narrative in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. 
Es geht in der interreligiösen Bildung also um Empowerment: dass alle Menschen - jenseits der Grenzen von Gender, Alter und Profession - sich selber als aussagekräftige und relevante Stimmen im Zusammenleben mit religiöser und weltanschaulicher Vielfalt erfahren können. Solche persönlichen Geschichten in Internet-Videos zu präsentieren, gehört zum zentralen Content auf der von Nayla Tabbara mitgestalteten Homepage ta‘adudiya (Pluralismus) der Adyan-Foundation. Eine weitere Rubrik ist  "Fina nehki din" – wir können über Religion reden – in der Seelsorger*innen und Expert*innen zu Wort kommen. Gemeinsam übernehmen sie Verantwortung und stellen mit ihren Lebensnarrativen gleichzeitig das Machtmonopol extremistischer Prediger*innen in Frage, die überwiegend männlich und älter sind und deren Fachkompetenz viel zu selten kritisiert wird. Mit interreligiöser Bildung, davon bin ich genauso überzeugt wie Nayla Tabbara, können wir einen wichtigen Beitrag für die friedliche Entwicklung unserer Gesellschaften leisten: Wir können das Bild ändern!

Autoreninfo:
Dr. Frank van der Velden ist Studienleiter für Interreligiöses im Diözesanbildungswerk Limburg und bischöflich Beauftragter für Islamfragen im Bistum Limburg. Er hat einen Lehrbeauftrag für Interreligiöses Lernen an der Fakultät für katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie am Fachbereich Soziale Arbeit und Sozialwissenschaften der Katholischen Hochschule Mainz.



IMPRESSUM

Impressum

Der "Interreligiöse Newsletter" ist eine gemeinsame Publikation des PZ Hessen, des Zentrums Oekumene der EKHN und der EKKW und des Religionspädagogischen Institutes (RPI) der EKKW und der EKHN.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:

Anke Kaloudis
Religionspädagogisches Institut der EKKW und der EKHN
Regionalstelle Frankfurt
Rechneigrabenstraße 10
60311 Frankfurt am Main
069 92107-299
anke.kaloudis@rpi-ekkw-ekhn.de
www.rpi-ekkw-ekhn.de

Detlev Knoche
Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
Praunheimer Landstraße 206
60488 Frankfurt am Main
069 976518-13
knoche@zentrum-oekumene.de 
www.zentrum-oekumene.de

Judith Noa
Pädagogisches Zentrum der Bistümer im Lande Hessen
Wilhelm-Kempf-Haus
65207 Wiesbaden-Naurod
06127 77 - 286
judith.noa@pz-hessen.de  
www.pz-hessen.de 


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